Das LITFILMS Literatur Film Festival Münster bringt 2026 erneut das Beste aus der Welt der Bücher auf die große Leinwand und in die Kulturorte der Stadt. Das diesjährige Programm verbindet vom 18. bis 27. September großes Kino mit literarischen Entdeckungen, bietet mit einer neuen Wettbewerbssparte eine noch größere Vielfalt für den Filmnachwuchs und setzt mit einem eigenen Branchentag wichtige Impulse für die Filmregion Westfalen.
Vielfalt im Wettbewerb „Literaturadaption“
Im zentralen Wettbewerb „Literaturadaption“ konkurrieren sechs aktuelle Spielfilme um den Hauptpreis. Die Bandbreite der gezeigten Werke reicht von der klassischen Novelle über zeitgenössische Romane bis hin zur modernen Interpretation einer griechischen Tragödie. Neben dem Eröffnungsfilm Drei Kameradinnen von Milena Aboyan geht mit Three Goodbyes der neue Film der baskischen Regisseurin Isabel Coixet ins Rennen, ebenso wie ein Publikumspreisgewinner aus Cannes, das britische Ensembledrama I See Buildings Fall Like Lightning von Clio Barnard. Es gibt die seltene Gelegenheit, einen Spielfilm komplett auf Walisisch zu erleben, mit der zeitgenössischen Iphigenie-Adaption Effi o Blaenau sowie den neuen Film des niederländischen Oscar-Preisträgers Mike van Diem, Our Girls mit Thekla Reuten. Komplettiert wird der Wettbewerb mit der Deutschlandpremiere von Late Fame mit Willem Dafoe, der eine Schnitzler-Novelle gekonnt in der New Yorker Künstlerbohème verortet. Eine Fachjury (die Schauspielerin und Autorin Anna Brüggemann, der Filmemacher Fränz Hausemer und die Autorin und Verlegerin Elte Rauch) zeichnet am Abschlussabend des Festivals, am 27.9. um 20:00 Uhr im Schloßtheater, den besten Film aus, er ist dotiert mit einem Preisgeld von 5.000 Euro.
Premiere für den Kurzfilm-Wettbewerb „LIT.shorts“
Nach dem erfolgreichen Testlauf eines Kurzfilmprogramms im Jahr 2024 geht das Festival den nächsten Schritt: Erstmals wird in diesem Jahr der Wettbewerb „LIT.shorts“ ausgetragen. Die Kurzfilme setzen sich auf unterschiedlichste Weise filmisch mit Literatur auseinander. Das Publikum entscheidet direkt: Per Voting wird der beste Film gewählt. Der Siegerfilm erhält ein Preisgeld von 500 Euro sowie eine professionelle Untertitelung für ein Folgeprojekt, beides gestiftet von der Untertitel-Werkstatt Münster.
Einblicke und Debatten bei „LIT.dok“
Die Dokumentarfilmreihe „LIT.dok“ wirft einen Blick hinter die Kulissen der Buchwelt. Die diesjährige Auswahl widmet sich den vielschichtigen Facetten des literarischen Schaffens und dessen gesellschaftlicher Wirkung. Neben biografischen Porträts über literarische Größen wie George Orwell, Ingeborg Bachmann, Salman Rushdie und Paul Bowles greift die Reihe aktuelle Diskurse auf. Diskutiert werden Fragen zur Autor:innenschaft, die gesellschaftliche Ächtung von Texten sowie existenzielle Fragen über Leben und Tod.
Hommage an Elfriede Jelinek zum 80. Geburtstag
Anlässlich des bevorstehenden 80. Geburtstags der österreichischen Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek im Oktober widmet das Festival der Autorin eine umfassende Hommage. Als exklusive Previews werden zwei aktuelle Produktionen gezeigt: Liebhaberinnen (basierend auf ihrem filmischen Durchbruchsroman von 1975) und Ulrike Ottingers Die Blutgräfin, für den Jelinek an den Dialogen mitwirkte. Komplettiert wird die Werkschau durch die Ulrich-Seidl-Produktion Die Kinder der Toten sowie Werner Schroeters Verfilmung von Ingeborg Bachmanns Malina (Drehbuch von Jelinek) in einer neu restaurierten Fassung.
Kultur in der Stadt: Filmlesungen und Live-Performances
Das Festival verlässt den klassischen Kinosaal und bespielt neben dem Schloßtheater diverse weitere Kulturorte in Münster mit einem hochkarätigen Live-Programm. Das Publikum darf sich auf spannende literarische Entdeckungen freuen: Die Schauspielerin Judith Hoersch, der Drehbuchautor Constantin Lieb und der Filmemacher David Vajda präsentieren jeweils ihre Debütromane. Die Autorin und Filmemacherin Tamar Noort stellt ihren zweiten Roman vor, während Rike Reiniger in ihrer Romanbiografie das faszinierende Leben der Trickfilmpionierin Lotte Reiniger beleuchtet. Zudem wirft Son Lewandowski (Residenzkünstlerin des Festivals 2024) einen Blick hinter die Kulissen des Leistungsturnens. Für einen humorvoll-analytischen Abend sorgen die Autorinnen und Podcasterinnen Anja Rützel und Annika Brockschmidt, die das Männerbild in den Werken von Jane Austen sezieren.
Kreativ und inklusiv: Workshops und Kooperationen
Schon im Vorfeld des Festivals stand die filmisch-literarische Praxis im Mittelpunkt. In Kooperation mit dem Kulturrucksack Münster, der Lebenshilfe Münster e.V. und der Münster School of Design sind Kurzfilme mit literarischen Bezügen entstanden, die beim Festival ihre Premiere feiern. Zu den Highlights gehört das künstlerisch-dokumentarische Projekt Auf die Plätze (inspiriert von Georges Perec), das das Flüchtige des Alltags einfängt. In einem intensiven Stoffentwicklungsworkshop unter der Leitung von Autor und Regisseur Mark Lorei erarbeiteten die Teilnehmenden filmische Ansätze zu Märchen, Mythen und Sagen aus dem Münsterland.
Branchentreff: Netzwerktag Drehbuchadaption
Unter dem Leitmotiv „Die Kunst der Transformation“ widmet das Festival der Literaturadaption einen eigenen Fachtag. Das Branchen-Event beleuchtet die Hürden und Herausforderungen beim Transfer vom Buch zum Film und liefert wichtige Impulse, wie gelungene Adaptionen auch in Westfalen und abseits großer Bestseller realisiert werden können. Das Programm bietet Filmschaffenden und Interessierten ein Filmfrühstück, Keynotes, hochkarätig besetzte Panels, praxisnahe Case Studies sowie eine Pitching Session. Ausreichend Zeit für Networking und Austausch rundet den Tag ab, bevor es am Abend gemeinsam ins Kino geht.
Zukunftsvisionen: Das „Artists in Residence“-Duo
Aus insgesamt 71 Bewerbungen wurden die Filmemacherin Aïsha Noomi Stief und der Autor Conrad Dreyer für das dreimonatige Residenz-Stipendium in Münster und dem Münsterland ausgewählt. Während ihres Aufenthalts hat das Duo das ambitionierte Projekt 14+1 Wege mit Robotern umzugehen realisiert. In Anlehnung an die Struktur eines klassischen Sonettenkranzes schufen sie 14+1 Texte und 14+1 Kurzfilme, die sich kritisch und kreativ mit der Präsenz von Künstlicher Intelligenz und humanoiden Robotern in unserem Alltag auseinandersetzen. Die Ergebnisse dieses intensiven Schaffensprozesses werden beim Festival im Rahmen einer exklusiven Werkschau präsentiert.
