Netzwerktag Literaturadaption

Netz­werk­tag Literatur­adaption – Die Kunst der Transformation

26.09.2026
10:00
Uhr
B-Side

Eine fil­mi­sche Adap­ti­on ist weit mehr als die blo­ße Bebil­de­rung eines Tex­tes. Wäh­rend Lite­ra­tur durch die Vor­stel­lungs­kraft der Lesen­den ent­steht, fixiert der Film die Welt durch kon­kre­te Bil­der und Töne. Ziel ist es, die „Essenz“ des Ori­gi­nals zu bewah­ren, wäh­rend man die spe­zi­fi­schen Mög­lich­kei­ten und Gren­zen des Kinos nutzt.

Im Rah­men des Netz­werk­tags wol­len wir in ver­schie­de­nen Ver­an­stal­tungs­for­ma­ten die Her­aus­for­de­run­gen und Hür­den des Trans­fer­pro­zes­ses beleuch­ten und dar­über in den Aus­tausch kom­men. Und letzt­lich Denk­an­stö­ße geben, wie auch in West­fa­len und jen­seits von Best­sel­ler­ver­fil­mun­gen Adap­tio­nen von lite­ra­ri­schen Wer­ken gelin­gen können.

Ein häu­fi­ger Dis­kus­si­ons­punkt ist die „Werk­treue“. In der Medi­en­wis­sen­schaft gilt heu­te: Eine gute Adap­ti­on muss dem Medi­um Film treu sein, nicht zwin­gend jedem Satz des Buches. Es gilt, die Balan­ce zwi­schen der Ori­gi­nal-Atmo­sphä­re und einer eigen­stän­di­gen fil­mi­schen Visi­on zu finden.

Fol­gen­de Dis­kus­si­ons­fra­gen beglei­ten uns durch den Netz­werk­tag: Kann eine „freie Inter­pre­ta­ti­on“ dem Ori­gi­nal treu­er sein als eine wort­ge­treue Ver­fil­mung? Wel­che lite­ra­ri­schen Mit­tel (z. B. unzu­ver­läs­si­ges Erzäh­len) las­sen sich nur schwer ver­fil­men? Wel­che Vor­aus­set­zun­gen müs­sen geschaf­fen wer­den, auch im Low-Bud­get-Bereich Lite­ra­tur­ad­ap­tio­nen zu realisieren?

Ablauf des Netzwerktages:

10:00 Uhr
Filmfrüh­stück

Ein gemein­sa­mer Auf­takt bei Kaf­fee und Bröt­chen zum bes­se­ren Ken­nen­ler­nen der wei­te­ren Teil­neh­men­den. In Koope­ra­ti­on mit dem Film­ser­vice Münster.Land.

11:30 Uhr – 12:00 Uhr
Impuls­ge­spräch: „Die Essenz finden“

mit Con­stan­tin Lieb (Dreh­buch­au­tor)

Con­stan­tin Lieb ist einer der der­zeit renom­mier­tes­ten Dreh­buch­au­to­ren. Er war u. a. Sti­pen­di­at der Vil­la Auro­ra in Los Ange­les und ist Mit­glied der Deut­schen sowie Euro­päi­schen Film­aka­de­mie. Für sei­ne Arbeit an der TV-Serie Eden wur­de er mit dem Grim­me-Preis aus­ge­zeich­net. Für die von Dominik Graf insze­nier­te Erich Käst­ner-Adap­ti­on Fabi­an oder Der Gang vor die Hun­de wur­de er für den Deut­schen Film­preis nomi­niert. Zuletzt adap­tier­te er Maxim Leos Roman Der Held von Bahn­hof Fried­rich­stra­ße, aktu­ell arbei­tet er mit Dominik Graf an einer Adap­ti­on sei­nes Debüt­ro­mans Wild­bo­den.

Wir spre­chen mit Con­stan­tin Lieb dar­über, wie man den Kern eines Romans oder einer Kurz­ge­schich­te iden­ti­fi­ziert, ohne sich in Neben­hand­lun­gen zu verlieren.

12:00 Uhr – 13:30 Uhr
Pit­ching Session

Im Rah­men der Pit­ching Ses­si­on haben fünf Filmemacher:innen und Film­teams die Gele­gen­heit, ihre Film­vor­ha­ben vor einer pro­fes­sio­nel­len Jury zu prä­sen­tie­ren. Bei die­ser Ver­an­stal­tung geht es dar­um, in einer kur­zen, prä­gnan­ten Prä­sen­ta­ti­on von nur fünf Minu­ten die Jury von der Qua­li­tät und Ori­gi­na­li­tät ihrer Ideen zu über­zeu­gen. Wäh­rend die­ser Zeit müs­sen die Teil­neh­men­den ihre Visi­on, die Sto­ry­line und die Moti­va­ti­on hin­ter ihrem Pro­jekt über­zeu­gend dar­le­gen, um sich eine För­de­rung des Kul­tur­amts Müns­ter zu sichern.

Die­se Ver­an­stal­tung dient den Zuschau­en­den als unmit­tel­ba­rer Ein­blick in neue fil­mi­sche Ideen, krea­ti­ve Arbeits­pro­zes­se und die Rea­li­tät unab­hän­gi­ger Film­pro­duk­ti­on. Die Besucher:innen erle­ben haut­nah, wie Pro­jek­te ent­ste­hen, prä­sen­tiert und ver­tei­digt wer­den müs­sen, um För­de­run­gen und Unter­stüt­zung zu erhalten.

Mit­tags­pau­se

14:30 Uhr – 15:30 Uhr

Case Stu­dy Super­bu­hei: „Die Trans­for­ma­ti­on vom Text zum Bild“

mit Jani­na Sara Hen­ne­mann (Pro­du­zen­tin), Josef Brandl (Regie & Dreh­buch) und Sven Amts­berg (Autor der Vorlage)

2017 ver­öf­fent­lich­te der Ham­bur­ger Autor Sven Amts­berg sein furio­ses Roman­de­büt Super­bu­hei, 2024 ent­stand unter der Regie von Josef Brandl ein Kurz­film auf Grund­la­ge des Buchs, in die­sem Herbst kommt sei­ne Spiel­film­ad­ap­ti­on mit Oli­ver Koritt­ke in der Haupt­rol­le in die Kinos. In die­ser Case Stu­dy spre­chen wir mit Sven Amts­berg, Josef Brandl und Pro­du­zen­tin Jani­na Sara Hen­ne­mann über den Weg von der Roman­vor­la­ge – über den Kurz­film – zur Adap­ti­on für einen Kino­film. Im Zen­trum steht die Fra­ge, wie die spe­zi­fi­sche Erzähl­stim­me der Vor­la­ge in eine audio­vi­su­el­le Ästhe­tik über­setzt wur­de und wel­che dra­ma­tur­gi­schen Ent­schei­dun­gen die Neu­in­ter­pre­ta­ti­on prägen.

Kaf­fee­pau­se

16:00 Uhr – 16:30 Uhr
Recht­li­che Rah­men­be­din­gun­gen: „Von der Opti­on zum Drehbuch“

mit Aaron Boris Rothe (Rechts­an­walt)

Bevor die ers­te Zei­le geschrie­ben wird, müs­sen die Urhe­ber­rech­te gesi­chert sein. Der Rechts­an­walt Aaron Boris Rothe ist als Part­ner von FISCHER & PART­NER Rechts­an­wäl­te in Köln auf Fra­gen des natio­na­len und inter­na­tio­na­len Urhe­ber­rechts spe­zia­li­siert. Zudem befasst er sich mit den Rechts­ge­bie­ten, die bei der Ent­wick­lung, Finan­zie­rung, Her­stel­lung und Ver­wer­tung von Kunst‑, Kultur‑, Film- und Medi­en­pro­duk­ti­on rele­vant sind. Er klärt über den Weg der Rech­te­er­wer­bung auf sowie den Son­der­fall der Gemeinfreiheit.

16:30 Uhr – 18:00 Uhr
Panel-Dis­kus­si­on: „Werk­treue vs. Künst­le­ri­sche Freiheit“

mit Wieb­ke Becker (Regie & Dreh­buch nach der Roman­vor­la­ge Am Tag des Welt­un­ter­gangs ver­schlang der Wolf die Son­ne von Sina Scherz­ant), Car­la Kas­pa­ri (Autorin der Roman­vor­la­ge Frei­zeit) & Michel Dulisch (Regie & Drehbuch)

Die Regis­seu­rin und Dreh­buch­au­to­rin Wieb­ke Becker, Absol­ven­tin der Ham­burg Media School, berei­tet der­zeit für die Dort­mun­der Pro­duk­ti­ons­fir­ma Sal­ly Forth Cine­ma ihr Lang­film­de­büt vor, eine Adap­ti­on von Sina Scherz­ants Roman Am Tag des Welt­un­ter­gangs ver­schlang der Wolf die Son­ne, unter­stützt durch eine Dreh­buch­för­de­rung der Film und Medi­en Stif­tung NRW.

Michel Dulisch, Absol­vent der KHM, arbei­tet zur Zeit gemein­sam mit Car­la Kas­pa­ri an sei­nem Spiel­film­de­büt, der Adap­ti­on ihres Romans Frei­zeit. Auch die­ses Pro­jekt erhielt eine Dreh­buch­för­de­rung der Filmstiftung.

Wir spre­chen mit bei­den Teams über ihre Dreh­buch­ent­wick­lun­gen, ihre dra­ma­tur­gi­schen Ent­schei­dun­gen und die Her­aus­for­de­run­gen, dem Ori­gi­nal gerecht zu wer­den und gleich­zei­tig einen eigen­stän­di­gen Film zu erschaffen.

20:00 Uhr im Schloß­thea­ter
Film­vor­füh­rung Lieb­ha­be­rin­nen mit anschlie­ßen­dem Q&A

Mit die­ser moder­nen Adap­ti­on von Elfrie­de Jelin­eks Roman Die Lieb­ha­be­rin­nen insze­niert Regis­seu­rin Koxi einen absurd-humor­vol­len und bit­ter­tra­gi­schen Film, der uns dar­an erin­nert, wie sehr wir auch heu­te der Öko­no­mie der Lie­be und der Selbst­aus­beu­tung aus­ge­lie­fert sind.

Anschlie­ßend Film­ge­spräch mit Regis­seu­rin und Dreh­buch­au­to­rin Koxi und Pro­du­zen­tin Chris­ti­ne Kiauk.

im Anschluss Get Tog­e­ther

Abschlie­ßen­des Net­wor­king im Kinofoyer

Coverbild ©