Die vierte Festivalausgabe geht nach 10 Tagen zu Ende: Effi o Blaenau von Marc Evans gewinnt im Wettbewerb „Literaturadaption“
Die Preise des diesjährigen LITFILMS Festivals Münster wurden am 27. September im Schloßtheater Münster vergeben. Der walisische Spielfilm Effi o Blaenau von Regisseur Marc Evans, nach dem Stück Iphigenia in Splott von Gary Owen, gewinnt den mit 5.000 Euro dotierten Preis im Wettbewerb „Literaturadaption“. Ausgezeichnet wird damit ein eindringliches Portrait einer jungen Frau, das poetisch und schonungslos von Hoffnung, Verlust und den Grenzen gesellschaftlicher Fürsorge erzählt.

Im Kurzfilmwettbewerb LIT.shorts wurde Die Unvorzeigbarkeit dessen, was nie hätte geschehen sollen von Silke Schönfeld ausgezeichnet. Nachdem LITFILMS 2024 ein neues Kurzfilmprogramm präsentierte, fand in diesem Jahr erstmals ein Wettbewerb für diese Kategorie statt. Das Publikum entschied per Voting über den Gewinnerfilm, der den unsichtbaren Spuren nationalsozialistischer Erziehung im Leben zweier Schwestern nachspürt. Das Preisgeld von 500 Euro sowie die Untertitelung für ein Folgeprojekt wurden von der Untertitel-Werkstatt Münster gestiftet.
Zehn Tage lang widmete sich LITFILMS dem beziehungsreichen Spannungsfeld zwischen Literatur und Film und brachte großes Kino und literarische Entdeckungen auf die Leinwand und in die Kulturorte der Stadt.
Dabei stieß die diesjährige Ausgabe mit einem deutlichen Publikumszuwachs gegenüber den Vorjahren auf besonders große Resonanz. Mit der neuen Wettbewerbssparte LIT.shorts und einem eigenen Branchentag bot das Festival zudem wertvolle Impulse für den Filmnachwuchs und die Filmregion Westfalen. Lesungen, Workshops und Live-Performances flankierten das Festival mit einem vielseitigen Programm. Unter anderem waren die Autor:innen Anja Rützel, Annika Brockschmidt, Constantin Lieb, David Vajda, Lütfiye Güzel und Son Lewandowski in Münster zu Gast. Angereiste Filmschaffende, wie Regina Schilling, Bayan Layla, Josef Brandl, Janina Sara Hennemann und Koxi diskutieren mit dem Publikum intensiv über ihre Arbeit und die gezeigten Filme.
„Das Publikum hat sich erneut auf besondere Literatur, neue Filme und ungewohnte Perspektiven eingelassen. Viele Veranstaltungen waren ausverkauft. Für uns ist das die schönste Bestätigung, dass LITFILMS ein Ort geworden ist, an dem man gemeinsam über Geschichten und ihre Wirkung ins Gespräch kommt“, resümiert Risna Olthuis, die das Festival gemeinsam mit Carsten Happe leitet. „Als Festival wollen wir nicht nur internationale Filme nach Westfalen holen, sondern dazu beitragen, dass die hiesige Filmszene sichtbarer wird“, ergänzt Festivalleiter Carsten Happe. „Der neue Branchentag und der Kurzfilmwettbewerb LIT.shorts waren deshalb wichtige Momente für junge Filmemacher:innen, um Arbeiten zu zeigen und auf Augenhöhe mit erfahrenen Kollegen in Kontakt zu kommen.“
Das LITFILMS Literatur Film Festival Münster kehrt im Herbst 2028 zurück. Nächstes Jahr findet vom 17. bis 26. September das Filmfestival Münster statt.
Der Preis im Wettbewerb „Literaturadaption“: Effi o Blaenau von Regisseur Marc Evans wird gespendet von der Stiftung der Sparda-Bank West und wurde in diesem Jahr von der Fachjury (Schauspielerin und Autorin Anna Brüggemann, der Filmemacher Fränz Hausemer und die Autorin und Verlegerin Elte Rauch) vergeben.
Jury-Statement:
„Effi o Blaenau ist ein bemerkenswerter Film, der in die Intimität eines individuellen Lebens eindringt, um etwas Universelles auszudrücken: das Unerwartete und die Art und Weise, wie wir lernen, damit umzugehen. Leisa Gwenllian liefert eine meisterhafte Darstellung als Heldin des Alltags, die von den Widrigkeiten des Lebens überwältigt wird, dabei jedoch außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit, Einfallsreichtum und vor allem ein Herz zeigt, das weiß, was zu tun ist.
Wie ein messerscharfer Pfeil trifft Effi genau ins Schwarze. Jeder Bildausschnitt wirkt unverzichtbar, während die Kamera sich sanft mit ihrer Protagonistin durch die wunderschöne, doch gnadenlose Landschaft von Nordwales bewegt. Marc Evans und Leisa Gwenllian erzählen diese zarte Geschichte mit großer Sensibilität und schaffen so ein Porträt, das zutiefst persönlich und zugleich universell menschlich ist.
Die walisische Sprache mit ihrem ungewohnten und doch seltsam schönen Klang sowie die Landschaft selbst entführen uns in eine Welt, die zunächst fern erscheint, aber nach und nach zu unserer eigenen wird. Und vielleicht ist das der Zauber von Effi: Der Film führt uns an einen Ort, an dem wir noch nie waren, nur um uns an Dinge zu erinnern, die wir nur allzu gut kennen – Verletzlichkeit, Sehnsucht, Widerstandskraft, die Entscheidungen, die uns prägen, und die Wege, die wir noch nicht eingeschlagen haben.“
