LIT.dok

Moham­med & Paul – Once Upon a Time in Tangier

26.09.2026
17:30
Uhr
Schloßtheater

Ein Film von Nor­din Lasfar

mit anschlie­ßen­dem Film­ge­spräch mit Nor­din Lasfar

Anhand von Inter­views, Archiv­auf­nah­men und magi­schem Rea­lis­mus beleuch­tet der Film die kom­ple­xe Bezie­hung zwi­schen dem Geschich­ten­er­zäh­ler Moham­med Mra­bet und dem Schrift­stel­ler Paul Bow­les im Tan­ger der 1960er- und 1970er-Jah­re – und wirft dabei die Fra­ge auf, wem Geschich­ten eigent­lich gehören.

Für den Fil­me­ma­cher Nor­din Las­far, der als Kind marok­ka­ni­scher Eltern in den Nie­der­lan­den auf­wuchs, öff­ne­te der Schrift­stel­ler Paul Bow­les die Tür zur Lite­ra­tur und zu den Geschich­ten aus dem Land sei­ner Vorfahren. 

In den 1960er- und 1970er-Jah­ren war Tan­ger für sein schil­lern­des Leben bekannt und wur­de zu einem Treff­punkt für west­li­che Künst­ler und Schrift­stel­ler der Beat-Gene­ration, dar­un­ter auch Bow­les, der bereits seit 1947 hier leb­te und 1949 sei­nen ers­ten Roman The Shel­te­ring Sky (dt. Him­mel über der Wüs­te) ver­öf­fent­lich­te, der ein gro­ßer Erfolg wurde.

Moham­med Mra­bet, Sohn eines Fischers und Geschich­ten­er­zäh­ler in der marok­ka­ni­schen münd­li­chen Über­lie­fe­rungs­tra­di­ti­on, wur­de zu einer zen­tra­len Figur in die­sen Krei­sen. Obwohl er Analpha­bet war, erlang­te er grö­ße­re Bekannt­heit, als Bow­les sei­ne Geschich­ten nie­der­schrieb und ver­öf­fent­lich­te. In einem Umfeld, in dem Krea­ti­vi­tät und freie Moral Hand in Hand mit kolo­nia­ler Ungleich­heit und Ras­sis­mus gin­gen, ent­wi­ckel­te sich zwi­schen den bei­den eine kom­ple­xe Beziehung.

Mra­bet, der mitt­ler­wei­le Ende acht­zig ist und es meis­ter­haft ver­steht, Fan­ta­sie und Rea­li­tät mit­ein­an­der zu ver­we­ben, blickt zurück. Frag­men­te sei­ner Geschich­ten, die auf Dut­zen­den von Kas­set­ten fest­ge­hal­ten sind, wer­den durch magisch-rea­lis­ti­sche Bil­der zum Leben erweckt: ein rie­si­ger spre­chen­der Fisch, eine Melo­ne, in der sich ein Palast ver­birgt, Honig, der einen Fluss überflutet.

Nor­din Las­far begibt sich auf die Suche nach die­ser bemer­kens­wer­ten lite­ra­ri­schen Ver­bin­dung und stellt die Fra­ge: Wem gehö­ren die­se Geschich­ten eigentlich?

Was bedeu­tet es, wenn die eige­ne Stim­me durch die Feder eines ande­ren Gehör findet?

Was bedeu­tet es, wenn die eige­ne Stim­me ohne die Feder eines ande­ren nicht Gehör findet?

Nomi­niert als bes­ter nie­der­län­di­scher Doku­men­tar­film beim IDFA Ams­ter­dam 2025.

NL 2025 – Regie & Dreh­buch: Nor­din Las­far – Kame­ra: Jacko van’t Hof, Aziz Al-Dilai­mi & Jean Coun­et – Schnitt: Tho­mas Vroe­ge – Musik: Vin­cent van War­mer­dam – Eng­li­sche Ori­gi­nal­ver­si­on mit eng­li­schen Unter­ti­teln – FSK o. Ang. – 93 min

Coverbild ©
Diep­te­scherp­te BV