Nachdem beim LITFILMS 2024 erstmals ein Kurzfilmprogramm gezeigt wurde, findet in diesem Jahr erstmals ein Wettbewerb für Kurzfilme statt, die sich auf unterschiedlichste Arten mit Literatur beschäftigen. Das Publikumsvoting entscheidet über den besten Film, der mit einem Preisgeld in Höhe von 500 Euro sowie mit einer Untertitelung für ein Folgeprojekt, beides gestiftet von der Untertitel-Werkstatt Münster, prämiert wird.
Mit Unterstützung der Poetryfilmtage Weimar.
Good Girl
Regie: Matthew Thompson, GB 2024, 03:57 min
Die Schauspielerin Sidonie McLaren trägt zwischen ihren Schwimmeinheiten im Pool Kim Addonizios Gedicht Good Girl über weibliche Rebellion vor.
Karten der Wildnis
Regie: Aline Helmcke, Sandra Reyes, Juliane Franke, Franka Sachse, Catalina Giraldo, Ana Vallejo, D 2025, 14:03 min
Ausgehend von der historischen Landvermessung durch Carl Friedrich Gauß und Christian Ludwig Gerling fragt Karten der Wildnis nach den Grenzen der Messbarkeit. Präzise Werkzeuge treffen auf Witterung, Distanz und das, was sich nicht vollständig erfassen lässt. Sieben Künstlerinnen wagen das Experiment, gemeinsam und gleichberechtigt aus diesem Stoff einen Film zu entwickeln. Analoge Animationstechniken und ein Text von Daniela Danz dienen als Ausgangspunkte für neue Sichtweisen.
Onderweg
Regie: Melody Sigmond, NL 2025, 02:40 min
Du kennst jede Kurve. Du schläfst, aber nicht ganz. Mit jeder Kurve weißt du, dass du deinem Ziel näherkommst. Eine kurze Papier-Cut-Out-Animation, die sich mit dem Erwachsenwerden, Veränderung und (Un-)Abhängigkeit auseinandersetzt. Durch stille Momente und vertraute Wege fängt der Film den Übergang von der Kindheit hin zur Suche nach dem eigenen Weg ein.
Writing on Water
Regie: Huw Wahl, GB/NL 2025, 24:46 min
Ein intimes Filmporträt und eine Erkundung, entstanden in Zusammenarbeit mit der Schriftstellerin und Verlegerin Elte Rauch, deren Leben und Werk sich über Meere hinweg und zwischen verschiedenen Regionen, Träumen und Erinnerungen erstreckt. Geprägt von ihrem niederländisch-indonesischen Erbe setzt sie sich mit Zugehörigkeit, Kreativität und Kolonialgeschichte auseinander – und zeigt dabei, wie das Schreiben, ähnlich wie Wasser, ein Gleichgewicht aus Bewegung und Ruhe darstellt.
Salt, Snow, Earth
Regie: Wendy Pye, GB 2025, 01:40 min
Zu Naomi Foyles knapper Rezitation ihres Gedichts präsentiert Regisseurin Wendy Pye Archivaufnahmen von Krieg, Völkermord, Protesten und Umweltzerstörung, durchsetzt mit Aufnahmen aggressiver Handzeichen, darunter der Titel in britischer Gebärdensprache. Geschickt montiert mit Jump Cuts und Überblendungen hinterfragt der Film, wer letztendlich vom unaufhörlichen Kreislauf aus globalem Militarismus, Imperialismus und Ökozid profitiert.
Dear Cyborg
Regie: Franziska Ostermann, D 2026, 05:16 min
Franziska Ostermann verwebt Poesie und KI-generierte Bilder, um die verflochtenen Geschichten von Computern, die aus dem Webstuhl entstanden sind – und letztlich von den Webtechniken der Insekten – zu erforschen. Die Dichterin erscheint als Cyborg, der mit und durch Technologie schreibt. Poesie wird hier zur Schnittstelle zwischen Körper, System und Bild – zu einem organischen, atmenden Netzwerk neuronaler Eingabeaufforderungen und lebendigem Code.
Mein Körper ein Schneckenhaus
Regie: Jeanine Lang, D 2026, 02:04 min
Zwei Frauen zwischen Kakteen und strampelnden Fischen. Während die eine nie verstummt, versiegeln Schnecken den Mund der anderen Frau. Der Film erzählt vom unfreiwilligen Rückzug in den eigenen Körper, von dem Wunsch gehört zu werden und der Erfahrung sich immer weiter im eigenen Schneckenhaus zu verlieren, bis Stille zur Zuschreibung wird: als Leere, als Zustimmung, als Bedeutungslosigkeit. Ein visueller Essay über Sprachlosigkeit, Fremdzuschreibung und den Kampf, sich aus dem eigenen Rückzug wieder zu befreien.
Die Unvorzeigbarkeit dessen, was nie hätte geschehen sollen
Regie: Silke Schönfeld, D 2025, 24:56 min
Zwei Schwestern begeben sich während der gemeinsamen Gartenarbeit auf eine aufwühlende Reise in ihre Kindheit, um Kontinuitäten nationalsozialistischer Erziehungsideale nachzuspüren. Inwiefern war auch ihre Erziehung durch den NS-Erziehungsratgeber Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind, der noch bis 1987 mit verändertem Titel weiterverlegt wurde, geprägt?
