Ein Film von Raoul Peck
Der Oscar-nominierte Regisseur Raoul Peck verwebt Archivaufnahmen aus Verfilmungen von 1984 mit einem Mosaik aus Bildern des 21. Jahrhunderts und analysiert meisterhaft Orwells vorausschauendes Genie sowie seine wichtigen Lehren für unsere Zeit und unsere Zukunft.
1949. George Orwell vollendet seinen letzten und berühmtesten Roman: 1984. Schonungslos zeichnet Orwell die Machenschaften eines diktatorischen Regimes und das erschreckende Bild einer Gesellschaft, in der alles und jeder rund um die Uhr überwacht, in der Geschichtsschreibung verfälscht und den aktuellen politischen Gegebenheiten angepasst wird. Heute ist 1984 wieder von erschreckender Aktualität, und wir können uns dem beklemmenden Wirklichkeitsbezug nur schwer entziehen.
Orwell: 2+2=5 taucht tief in die letzten Lebensmonate des Autors und seine visionären Werke ein, um die Wurzeln jener zentralen und beunruhigenden Konzepte zu ergründen, die er der Welt in seinem dystopischen Meisterwerk offenbart hat … Doppeldenken, Gedankenverbrechen, Neusprech, das allgegenwärtige Gespenst des Großen Bruders … beunruhigende Wahrheiten, die heute mehr denn je nachhallen.
„Er hat alles gesehen. Alles analysiert. Uns alle gewarnt. Es wirkt geradezu ironisch, dass nun alle Anspruch auf ihn erheben wollen, besonders in der heutigen, bereits veränderten Welt. Als ich vor einigen Jahren zwei meiner angesehensten Schriftstellerfreunde nach Orwell fragte, zeigten ihre Antworten sowohl Begeisterung als auch Verärgerung. Womit ich nicht gerechnet hatte. Das machte mich noch neugieriger. Er wird als Prophet des Weltuntergangs gepriesen. Als Verräter der sozialistischen Bewegung verunglimpft. Als Kolonialist verteufelt. Von neokonservativen Opportunisten als Schutzschild benutzt. Als Prophet von jenen verehrt, die nach blindem Glauben suchen. Und doch steht er allein da, schroff und trotzig. Ein Visionär. Ein getarnter Anarchist. Ein hartnäckiger Reporter mit weichem Herzen. Ein Geschichtenerzähler, der die Welt so offenbart, wie sie wirklich ist. Orwell.“ (Raoul Peck)Regisseur und Drehbuchautor Raoul Peck ist einer der profiliertesten Filmemacher unserer Zeit. Für seinen Film I Am Not Your Negro über James Baldwin wurde der ehemalige Kulturminister Haitis 2017 für den Oscar nominiert und mit dem BAFTA und dem César ausgezeichnet. Seinen Durchbruch erlangte Peck mit dem Dokumentarfilm Lumumba: La mort du prophète (1991) und dem Spielfilm Lumumba (2000) über den kongolesischen Diktator. 2005 lief sein Film Sometimes in April über den Völkermord in Ruanda im Wettbewerb der Berlinale. 2024 wurde sein Film Ernest Cole: Lost and Found in Cannes als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.
