Ein Film von Nordin Lasfar
mit anschließendem Filmgespräch mit Nordin Lasfar
Anhand von Interviews, Archivaufnahmen und magischem Realismus beleuchtet der Film die komplexe Beziehung zwischen dem Geschichtenerzähler Mohammed Mrabet und dem Schriftsteller Paul Bowles im Tanger der 1960er- und 1970er-Jahre – und wirft dabei die Frage auf, wem Geschichten eigentlich gehören.
Für den Filmemacher Nordin Lasfar, der als Kind marokkanischer Eltern in den Niederlanden aufwuchs, öffnete der Schriftsteller Paul Bowles die Tür zur Literatur und zu den Geschichten aus dem Land seiner Vorfahren.
In den 1960er- und 1970er-Jahren war Tanger für sein schillerndes Leben bekannt und wurde zu einem Treffpunkt für westliche Künstler und Schriftsteller der Beat-Generation, darunter auch Bowles, der bereits seit 1947 hier lebte und 1949 seinen ersten Roman The Sheltering Sky (dt. Himmel über der Wüste) veröffentlichte, der ein großer Erfolg wurde.
Mohammed Mrabet, Sohn eines Fischers und Geschichtenerzähler in der marokkanischen mündlichen Überlieferungstradition, wurde zu einer zentralen Figur in diesen Kreisen. Obwohl er Analphabet war, erlangte er größere Bekanntheit, als Bowles seine Geschichten niederschrieb und veröffentlichte. In einem Umfeld, in dem Kreativität und freie Moral Hand in Hand mit kolonialer Ungleichheit und Rassismus gingen, entwickelte sich zwischen den beiden eine komplexe Beziehung.
Mrabet, der mittlerweile Ende achtzig ist und es meisterhaft versteht, Fantasie und Realität miteinander zu verweben, blickt zurück. Fragmente seiner Geschichten, die auf Dutzenden von Kassetten festgehalten sind, werden durch magisch-realistische Bilder zum Leben erweckt: ein riesiger sprechender Fisch, eine Melone, in der sich ein Palast verbirgt, Honig, der einen Fluss überflutet.
Nordin Lasfar begibt sich auf die Suche nach dieser bemerkenswerten literarischen Verbindung und stellt die Frage: Wem gehören diese Geschichten eigentlich?
Was bedeutet es, wenn die eigene Stimme durch die Feder eines anderen Gehör findet?
Was bedeutet es, wenn die eigene Stimme ohne die Feder eines anderen nicht Gehör findet?
Nominiert als bester niederländischer Dokumentarfilm beim IDFA Amsterdam 2025.
