LIT.dok

The Libra­ri­ans

19.09.2026
18:00
Uhr
Schloßtheater

Ein Film von Kim A. Snyder

In einer Dys­to­pie, die einer Fort­set­zung von Fah­ren­heit 451 gleicht, durch­streift der Doku­men­tar­film The Libra­ri­ans US-ame­ri­ka­ni­sche Klein­städ­te, um die Geschich­te eini­ger stand­haf­ter Bibliothekar:innen zu erzäh­len: ganz nor­ma­le Amerikaner:innen, die zu uner­war­te­ten Verteidiger:innen der Demo­kra­tie und der Grund­rech­te gewor­den sind.

Im Okto­ber 2021 ver­öf­fent­lich­te Matt Krau­se, Abge­ord­ne­ter im Reprä­sen­tan­ten­haus von Texas, eine Lis­te mit 850 Büchern, die von den Schu­len auf obs­zö­ne und ras­sis­ti­sche Inhal­te über­prüft wer­den soll­ten, und for­der­te die Behör­den auf, Stan­dards zu ent­wi­ckeln, um sicher­zu­stel­len, dass „Por­no­gra­fie“ und alles, was bei Schü­lern „Unbe­ha­gen, Schuld­ge­füh­le oder Qua­len“ aus­lö­sen könn­te, ent­fernt wird. Der Groß­teil der bean­stan­de­ten Inhal­te hat­te The­men rund um Ras­sis­mus oder LGBTQIA+-Menschen zum Gegen­stand. Eltern­rechts­grup­pen wie „Moms for Liber­ty“ enga­gier­ten sich lan­des­weit, und die Anfech­tun­gen von Büchern eska­lier­ten expo­nen­ti­ell und wur­den bes­ser koor­di­niert. Gefähr­de­te Bibliothekar:innen waren und sind nach wie vor im Visier. 

Mit ihrem ein­zig­ar­ti­gen Ein­blick in eine sich gera­de ent­wi­ckeln­de neue Bewe­gung neh­men uns die Biblio­the­ka­rin­nen und Biblio­the­ka­re mit auf eine Odys­see quer durch Ame­ri­ka, um ihre Geschich­te des Wider­stands gegen Zen­sur­be­mü­hun­gen zu erzäh­len. Wir begeg­nen einem Vete­ra­nen der US-Armee, der ent­las­sen wur­de, weil er sich wei­ger­te, Bücher, die sich mit Ras­sis­mus beschäf­ti­gen, aus dem Bestand zu ent­fer­nen – und loka­len Poli­ti­kern, die ver­such­ten, die öffent­li­che Biblio­thek kur­zer­hand zu schlie­ßen. Eine Biblio­the­ka­rin in New Jer­sey unter­sucht die Zusam­men­ar­beit zwi­schen Orga­ni­sa­tio­nen für Eltern­rech­te und einer lan­des­wei­ten Kam­pa­gne zur Unter­gra­bung des öffent­li­chen Bil­dungs­we­sens, die in ihrem eige­nen Schul­be­zirk zu direk­ten Angrif­fen führ­te, bei denen sie als „Por­no­gra­fin, Pädo­phi­le und Kin­der­schän­de­rin“ bezeich­net wur­de. Eine lan­des­weit aner­kann­te Biblio­the­ka­rin wird in ihrer Hei­mat­ge­mein­de in Loui­sia­na mit Mord­dro­hun­gen über­schüt­tet, wo sie zwölf Schü­ler durch Selbst­mord ver­lo­ren hat, weil die­se sich als „Außen­sei­ter“ fühl­ten. Die Span­nun­gen eska­lie­ren, da immer mehr Geset­zes­vor­la­gen auf den Weg gebracht wer­den, die vor­se­hen, Bibliothekar:innen wegen der Wei­ter­ga­be mut­maß­lich por­no­gra­fi­schen Mate­ri­als an Min­der­jäh­ri­ge unter Stra­fe zu stel­len. Wäh­rend sich die Kri­se zuspitzt, schlie­ßen sie sich als unge­wöhn­li­che Ver­bün­de­te an vor­ders­ter Front der Demo­kra­tie zusammen.

Für ihren Doku­men­tar­kurz­film Death By Num­bers wur­de Kim A. Sny­der 2025 für den Oscar nomi­niert, nach­dem er beim Hamp­tons Inter­na­tio­nal Film Fes­ti­val 2024 sei­ne Pre­mie­re gefei­ert hat­te. The Libra­ri­ans wur­de beim Sun­dance Film Fes­ti­val 2025 urauf­ge­führt und gewann in der Fol­ge acht inter­na­tio­na­le Festivalpreise.

USA 2025 – Regie & Dreh­buch: Kim A. Sny­der – Kame­ra: Pau­li­us Kon­ti­je­vas & Derek Wie­se­hahn- Schnitt: Mark Becker, Leah Boat­right, Aus­tin Ree­dy & María Gabrie­la Tor­res – Musik: Nico Muh­ly – Eng­li­sche Ori­gi­nal­ver­si­on mit eng­li­schen Unter­ti­teln – FSK o. Ang. – 92 min

Coverbild ©
Pau­li­us Kontijevas