Ein Film von Koxi nach dem Roman von Elfriede Jelinek
mit anschließendem Filmgespräch mit Koxi
Mit dieser modernen Adaption von Elfriede Jelineks Roman Die Liebhaberinnen inszeniert Regisseurin Koxi einen absurd-humorvollen und bittertragischen Film, der uns daran erinnert, wie sehr wir auch heute der Ökonomie der Liebe und der Selbstausbeutung ausgeliefert sind.
Brigitte (Johanna Wokalek) wollte immer etwas Besonderes sein. Doch inzwischen hat sie nicht nur das Alter eingeholt, sondern auch die Erkenntnis, dass ihr Leben einem Scherbenhaufen gleicht. Um sich finanziell über Wasser zu halten, schläft sie in der Umkleide ihres 24/7‑Fitness-Studios und kämpft energisch darum, schön und fit zu bleiben. Als Messehostess wirbt sie für luxuriöse Endzeitbunker, aber ihre jüngeren Kolleginnen sind ehrgeiziger und makelloser. Einsam und ausgebrannt lässt sie sich durch die sozialen Medien treiben, bis sie auf die junge Paula (Hannah Schiller) stößt, die ihren Alltag dokumentiert.
Was als beiläufiges Scrollen beginnt, wird für Brigitte zur Obsession. Sie verliert sich im digitalen Spiegel eines Lebens, welches sie bereits verloren hat und entwickelt eine parasoziale Beziehung zu Paula. Brigitte bewundert, wie schonungslos Paula aus ihrem Körper, ihrem Badewasser oder sogar ihren Fußnägeln Kapital schlägt, um dem Dorf zu entfliehen und endlich berühmt zu werden.
Brigitte will auch ihrer Misere entkommen und als sie auf den großspurigen Berufssohn Heinz (Ben Münchow) trifft, wittert sie ihre Gelegenheit. Getrieben von der Hoffnung, diesmal alles richtig zu machen, lässt Brigitte sich coachen. Sie will von ganz unten nach ganz oben, denn jede Krise, so lernt sie, ist auch eine Chance. Um aus ihrem Leben endlich auszubrechen, bleibt den beiden Liebhaberinnen Brigitte und Paula nur ein Ausweg, für den sie allerdings einen hohen Preis bezahlen müssen.
Liebhaberinnen ist das Spielfilmdebüt der deutsch-luxemburgischen Komponistin und Filmemacherin Caroline Kox, Künstlername Koxi. Sie studierte an der Kunsthochschule für Medien Köln und gewann als Produzentin 2016 den Deutschen Kurzfilmpreis in Gold für Ein Aus Weg von Simon Steinhorst und Hannah Stragholz. Mit Antonio De Luca schrieb sie zahlreiche Filmmusiken, unter anderem für Über Barbarossaplatz (2016) und den 2021 mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten Fernsehfilm Wir wären andere Menschen von Jan Bonny sowie für Vergiss Meyn Nicht von Fabiana Fragale, Kilian Kuhlendahl und Jens Mühlhoff (2023).
