Ein Film von Ulrike Ottinger
Zwischen Irrsinn und Aberwitz: Die Blutgräfin von Kultregisseurin Ulrike Ottinger ist ein groteskes Gelage grandioser Grandes Dames, die nach dem roten Elixier des Lebens streben und auf der Umlaufbahn der Deutungen absolut uneinholbar sind. Neben Isabelle Huppert spielen zu Höchstform auf: Birgit Minichmayr, Thomas Schubert, Lars Eidinger, Conchita Wurst, Karl Markovics und viele mehr.
Jahrhunderte nach ihrem mysteriösen Verschwinden taucht die Blutgräfin (Isabelle Huppert) im heutigen Wien wieder auf. Der Legende nach ist sie eine der fleißigsten Vampirinnen des 16. Jahrhunderts, die sich reihenweise Dienstmädchen schmecken ließ. Gemeinsam mit ihrer treuen Zofe Hermine (Birgit Minichmayr) versucht sie, ein gefährliches Buch aufzuspüren, das die Macht besitzt, alles Böse zu vernichten – einschließlich Vampire. Doch auch die Konkurrenz ist hinter dem Buch her: eine Allianz aus Vegetariern und Ordnungsmächten will sie und ihre Wiener Vampir-Bande dingfest machen. Und ein Kongress kleingeistiger Geisteswissenschaftler plant gar die Analyse der „Identität der Vampire im Zeitalter ihrer digitalen Reproduzierbarkeit“. Als Untersuchungsgegenstand jedoch taugt die Blutgräfin nicht, lieber begibt sie sich selbst auf Schnitzeljagd entlang der prächtigen historischen Orte Wiens. Zwei Vampirforscher und ein Polizeiinspektor sind ihnen dicht auf den Fersen durch gesellige Gruften, über Friedhöfe und auf Riesenräder: überall sind Spuren zu entziffern, die zum Buch der Bücher führen. Die morbide Welt des alten Wiens – eine Bibliothek unendlicher Möglichkeiten.
Ulrike Ottingers Filme feierten Premiere auf den wichtigsten internationalen Festivals und wurden vielfach in Retrospektiven geehrt, zum Beispiel im New Yorker Museum of Modern Art, in der Pariser Cinémathèque Française, dem Centre Pompidou und der Biennale di Venezia. Neben ihrer Arbeit beim Film arbeitet Ulrike Ottinger auch als Regisseurin für Theater und Oper. Sie inszenierte unter anderem Elfriede Jelineks Stücke Das Lebewohl (Berliner Ensemble, 2000), Clara S. (Staatstheater Stuttgart, 1983) und Begierde und Fahrerlaubnis (Steirischer Herbst, Graz 1986).Mit dem Schreiben des Drehbuchs zur Blutgräfin hat Ottinger bereits in den frühen 2000ern begonnen. Damals hat sie sich an Elfriede Jelinek gewandt. Sie half ihr beim Schreiben der Dialoge, insbesondere mit den spezifischen Referenzen auf die österreichische Kultur und Geschichte.
