Filmvorführung, Lesung und Gespräch mit Son Lewandowski
Auf kraftvolle Weise erzählt Son Lewandowski von Sport und Politik, von fragilen Beziehungen und den Grenzen des eigenen, alternden Körpers.
München. Montreal. Tokio. Wenn die olympischen Spiele anstehen, blickt die ganze Welt auf eine Stadt, auf eine Mannschaft, auf eine Leistungsturnerin. Die Mädchen und Frauen trainieren ihr gesamtes Leben auf diesen Moment hin. Aus diesem Wir der Turnerinnen, das in olympischen Jahren denkt, vom Training auf die Waage zu den Wettkämpfen gedrängt wird, entspringt ein Ich, die Turnerin Amik. Sie beugt sich den gnadenlosen Wettbewerbsprinzipien ihres Sports und mit jedem weiteren Schritt auf ein Siegerinnenpodest entfernt sie sich mehr von den Mädchen, die sie gestern noch getröstet haben. Die Geschichten von berühmten Turnerinnen und der größte Missbrauchsskandal der Sportgeschichte werden in die Geschichte von Amik eingewebt und machen Die Routinen zu einer atemlosen Leseerfahrung.
Über die Autorin:
Son Lewandowski lebt als Autorin und Kuratorin in Köln. 2023 wurde sie zum Klagenfurter Literaturkurs und der Autor:innenwerkstatt des LCB eingeladen. Mit Die kurzen Karrieren stand sie in dem Jahr auf der Shortlist des Edit-Essaypreises. 2024 war sie Residierende des LITFILMS Festival, außerdem wurde sie durch das Spaltmaße-Stipendium der Jürgen Ponto-Stiftung gefördert, 2025 durch das Arbeitsstipendium der Kunststiftung NRW.
Vor der Lesung: der Dokumentarfilm Nadia Comăneci – Die Turnerin und der Diktator
Das unglaubliche Schicksal von Nadia Comăneci, jener rumänischen Turnerin, die unter der Diktatur Ceaușescus lebte und im Alter von 14 Jahren 1976 in Montreal die perfekte Note erzielte – die erste 10 in der gesamten Geschichte der Olympischen Spiele. Eine unglaubliche sportliche Karriere, die sie bis zu ihrer Flucht aus Rumänien im Jahr 1989 mit einem weiteren Kampf verband: dem Kampf, trotz der erdrückenden Herrschaft eines tyrannischen Diktators über ihr Leben und ihr Schicksal selbst zu bestimmen.Regie: Pola Rapaport, F 2015, 52 min
