LITFILMS Literatur Film Festival unter erschwerten Bedingungen erfolgreich beendet

Kanadisches Drama „Antigone“ als beste Literaturadaption ausgezeichnet

 

Mit der Preisverleihung und einem Special Screening von Christian Petzolds „Transit“ ging das erste LITFILMS Literatur Film Festival Münster am Sonntagabend nach fast vier Wochen und 28 Veranstaltungen in acht Locations in Münster und im Münsterland zu Ende.

 

Grußbotschaft von Sophie Deraspe, Regisseurin von „Antigone“

 

Der kanadische Beitrag „Antigone“ von Sophie Deraspe, der die klassische Tragödie in die Jetztzeit übersetzt, ist Preisträger im Internationalen Wettbewerb Literaturadaption. Die Jury, bestehend aus der Filmkuratorin Barbara Fischer-Rittmeyer, der Schriftstellerin Sabrina Janesch und dem Vorsitzenden des Literaturvereins Münster Hermann Wallmann, begründet ihre Wahl wie folgt: „Die Regisseurin Sophie Deraspe adaptiert die klassische Vorlage mit eigensinnigem Respekt vor dem Original. Ihre Antigone, beeindruckend gespielt von Nahéma Ricci, ist stark und sieht sich im Recht. Damit stellt der Film auch die Frage nach Familienloyalität versus Akzeptanz von Rechtstaatlichkeit/Legalität. Eine Gegenüberstellung, die kein einfaches Moralisieren erlaubt und den Film auszeichnet.“

Insgesamt sechs Filme konkurrierten um den mit 2.000 Euro dotierten Preis. Eine lobende Erwähnung erhält der britische Film „The Republics“ von Huw Wahl, der ein Prosagedicht des Lyrikers Stephen Watts als Ausgangspunkt seines Films nimmt.

Mit der Vorführung von Christian Petzolds kühner Adaption von Anna Seghers‘ Roman „Transit“ und anschließendem Gespräch mit dem Regisseur endete die erste Ausgabe des LITFILMS Literatur Film Festivals dort, wo sie am 16. September begann, im Schloßtheater Münster. In den dreieinhalb Wochen des Festivals waren viele der 28 Veranstaltungen ausverkauft – mit entsprechenden Abstandsregelungen und Hygienekonzepten – und die Festivalmacher zeigten sich beglückt über die Publikumsresonanz: „Die vielen positiven Reaktionen und die unerwartet guten Zuschauerzahlen, gerade in diesen schwierigen Zeiten, sind ein ungemein bestärkendes Signal, dass ein Festival wie dieses in der deutschen Festivallandschaft noch fehlte und das Publikum in Münster sich nach realen Veranstaltungen mit Begegnungen und Gesprächen sehnt“, so Risna Olthuis, die gemeinsam mit Carsten Happe das Festival leitet.

Filmemacher:innen wie Volker Schlöndorff, Andreas Kleinert, Lisa Spilliaert und Burhan Qurbani sowie Autor:innen wie Frank Goosen, María Cecilia Barbetta, Christopher Kloeble und Natalie Harapat und viele weitere Bewohner:innen der Zwischenräume von Literatur und Film waren beim LITFILMS zu Gast und brachten in den unterschiedlichsten Formaten, von Lesungen über Werkstattgespräche bis hin zu Poetry Film Slams und Podiumsdiskussionen, ihre Perspektiven auf das Spannungsfeld zwischen den beiden Künsten ein.

Die Artists in Residence des LITFILMS, Sandra Reyes und Thomas Empl, verbrachten drei Monate in Münster und dem Münsterland, sie kuratierten eigene Programmpunkte und zeigten am Abschlusstag des Festivals ihre gemeinsame Arbeit „cadaverexquisito“. Sie waren zudem Subjekt eines kurzen Dokumentarfilms, den fünf Kinder und Jugendliche in einem Filmworkshop gemeinsam erstellt haben.

Teile des Festivalprogramms wurden live im Internet gestreamt und sind weiterhin über die Website und Social-Media-Kanäle des Festivals verfügbar.

Die zweite Ausgabe des LITFILMS Literatur Film Festivals Münster ist für den Herbst 2022 geplant.Im kommenden Jahr findet wieder das Filmfestival Münster statt – bereits zum 19. Mal und 40 Jahre nach seiner Gründung!

LITFILMS ist eine Veranstaltung der Filmwerkstatt Münster. Gefördert von der Kunststiftung NRW, dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und der Stadt Münster.

Foto: Nahéma Ricci in „Antigone“ von Sophie Deraspe (Foto: Wazabi Films)